Zu Zeiten, in denen privater und damit dualer Rundfunk nahezu schon europäische Normalität war, unternahm man in Österreich gerade einmal erste Gehversuche in der Zulassung privater Rundfunkveranstalter.

Heute, knapp 15 Jahre später, kann man sagen, dass das Experiment einigermaßen geglückt ist. Vor 15 Jahren gingen die beiden ersten privaten Radiostationen auf Sendung, fast drei Jahre später erfolgte ein mehr oder minder flächendeckender Start von Regional- und Lokalradios in ganz Österreich. Sie haben inzwischen einen erheblichen Anteil – sowohl an Zuhörern wie auch am Werbemarkt – unter allen österreichischen Radioprogrammen, insbesondere in der jüngeren Zielgruppe der 14- bis 49-jährigen Österreicherinnen und Österreicher. Dies zeigte gerade auch der Radiotest über das Gesamtjahr 2009.

Trotz der durchaus schwierigen Startbedingungen weist Österreich mittlerweile auch eine sehr vielseitige Privatfernsehlandschaft auf: Mehrere nationale österreichische Vollprogramme bieten ein breites und abwechslungsreiches Angebot an österreichspezifischer Information und Unterhaltung und werden durch die Österreich-Programmfenster  deutscher Privatsender ergänzt. Eine Vielzahl an regionalen und lokalen TV-Sendern trägt den Publikumsinteressen der jeweiligen Sendegebiete reichhaltig Rechnung.

Allerdings bedarf es noch einer Reihe weiterer gesetzlicher bzw. politischer Maßnahmen, um einen „dualen Rundfunk“ noch besser verwirklichen zu können. Darüber wird derzeit heftig diskutiert, und die Frage ist auch, wie dies in einem kleinen Land wie Österreich bewerkstelligt werden kann.

Wie sieht es in der bunten Welt des privaten, kommerziellen Rundfunkschaffens aus? Wie steht es um die mediale und journalistische Vielfalt, wie sehen die kommerziellen und technischen Grundlagen der Stationen aus, wie sieht die Arbeitswelt aus, in der sich heute deutlich über 500 Mitarbeiter in Österreich bewegen? Eine kleine Industrie ist entstanden, die es wert ist, einer genauen Betrachtung unterzogen zu werden.

Die vorliegende Studie (siehe Beitrag II „Die Bedeutung des privaten Rundfunks in Österreich“ ab Seite 41) versucht diesen Blick einzufangen, arbeitet den Status quo der Branche heraus und konzentriert sich gleichzeitig im Sinne einer Werteanalyse auf die publizistischen Grundlagen und die Entwicklungsperspektiven der Branche. Die Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH (RTR-GmbH) hat diese Studie auf Anregung des Verbandes Österreichischer Privatsender (VÖP) in Auftrag gegeben und ermöglicht einen spannenden Einblick in die Welt des privaten Rundfunkschaffens. Denn die Privatsender in Österreich sind – nicht zuletzt aufgrund ihrer in äußerstem Maße leidenschaftlichen und engagierten Mitarbeiter – aus der österreichischen Medienlandschaft nicht mehr wegzudenken. (aus dem Vorwort zur Studie)

> Download: RTR-Studie „Public Value und privater Rundfunk in Österreich“