18.05.2026. Der Verband Österreichischer Privatsender (VÖP) warnt eindringlich vor den Folgen der geplanten Streamingabgabe für den österreichischen Medienstandort. Ersten Informationen zufolge sollen audiovisuelle Mediendienste
künftig mit einer neuen Abgabe von insgesamt 12 Prozent auf ihre Umsätze im Bereich Streaming belastet werden. Betroffen wären damit auch österreichische TV-Sender und Abrufdiensteanbieter, die bereits heute wesentlich zu Medienvielfalt, Beschäftigung und Wertschöpfung in Österreich beitragen.
Medienbranche bereits jetzt in existenzbedrohender wirtschaftlicher Lage
Die wirtschaftliche Lage der privaten TV-Sender und audiovisuellen Abrufdienste in Österreich ist bereits jetzt existenzbedrohend. Seit Jahren fließen immer mehr Werbebudgets an ausländische Digitalkonzerne ab. Diese Entwicklung hat die wirtschaftliche Basis heimischer Medienunternehmen erheblich geschwächt und in den vergangenen zwölf Monaten zu einem Stellenabbau von rund 10 bis 20 Prozent geführt.
Weitere Belastungen gefährden hunderte Arbeitsplätze und österreichische Inhalte
Eine zusätzliche Abgabe würde die wirtschaftliche Grundlage vieler österreichischer Medienanbieter weiter verschlechtern. Nach aktuellen Schätzungen würde die Branche durch diese Abgabe mit weit mehr als 20 Millionen Euro zusätzlich belastet werden. Der VÖP warnt daher vor zusätzlichen Arbeitsplatzverlusten in dreistelliger Höhe – insbesondere in Redaktion, Produktion, Technik, Vermarktung und digitaler Entwicklung. Gleichzeitig müssten Investitionen in österreichische Inhalte wie Nachrichten, Magazine oder regionale Berichterstattung reduziert werden. Auch Einschnitte bei Sport- und Lizenzrechten wären zu erwarten. Die Folge wäre eine deutliche Schwächung der audiovisuellen Medienvielfalt mit erheblichen demokratiepolitischen Auswirkungen.
Sonderabgabe würde digitale Zukunftsbereiche massiv schwächen
Besonders kritisch ist aus Sicht des VÖP, dass ausgerechnet digitale Wachstums- und Zukunftsbereiche belastet würden. Gerade audiovisuelle Abrufdienste und Streamingangebote sind entscheidend für die Zukunftsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit österreichischer Medienunternehmen. Eine zusätzliche Sonderabgabe würde notwendige Investitionen in diesen Bereichen massiv erschweren und die Entwicklungsmöglichkeiten erheblich einschränken.
Zusätzliche Kostenbelastung für Konsumentinnen und Konsumenten zu erwarten
Zudem ist damit zu rechnen, dass die geplante Abgabe zu einer zusätzlichen Kostenbelastung für die Menschen in Österreich führen würde, da sie zumindest teilweise an die Kundinnen und Kunden von kostenpflichtigen Abo-Angeboten weitergegeben würde.
Filmförderung ist staatliche Kulturaufgabe und keine Branchensteuer
Der VÖP betont die Bedeutung der Förderung österreichischer Filmproduktionen und erkennt das öffentliche Interesse daran an. Filmförderung ist jedoch eine kulturpolitische Aufgabe des Staates und sollte daher aus öffentlichen Mitteln finanziert werden – nicht durch Überwälzung auf den wirtschaftlich bereits stark unter Druck stehenden audiovisuellen Mediensektor.
Österreich läge mit 12 Prozent deutlich über internationalen Vergleichswerten
Auch die Höhe der geplanten Abgabe stößt auf Kritik. Mit 12 Prozent läge Österreich deutlich über vergleichbaren Modellen anderer Länder – wobei zahlreiche EU-Mitgliedstaaten von der Einführung einer solchen Abgabe überhaupt abgesehen haben, wohl zum Schutz heimischer Medienunternehmen.
Eigentliches Ziel der Maßnahme würde verfehlt
Ursprünglich sollte die Maßnahme internationale Anbieter treffen, die in Österreich Umsätze erzielen, ohne hier nennenswerte Wertschöpfung zu leisten. Unverständlich ist aus Sicht des VÖP, dass auch österreichische Medienunternehmen, die erhebliche Wertschöpfung, Beschäftigung und Investitionen in Österreich leisten, belastet werden sollen. Die Anrechnung der in Österreich erbrachten Wertschöpfung in voller Höhe wäre aus Sicht des VÖP eine Grundvoraussetzung für eine solche Maßnahme.
VÖP lehnt zusätzliche Sonderabgaben und Belastungen für Medienunternehmen grundsätzlich ab
Grundsätzlich spricht sich der VÖP generell gegen neue Abgaben aus. Die Belastung von Medienunternehmen in Österreich ist bereits heute sehr hoch. Zusätzliche Sonderabgaben würden den Medienstandort weiter schwächen und langfristig Medienvielfalt, Beschäftigung sowie die demokratische Öffentlichkeit gefährden.